Und das nicht, wie üblich bei meinen Klienten, sondern bei mir!
Gleich am Beginn meiner Auszeit, schickte mir eine Freundin einen Ö1 Link, mit der Frage, „Erkennst du dich wieder, Anita?“ Der Link führte zur wöchentlichen Sendereihe zum Thema „Hochsensibilität Lust oder Last?“
Nach keinen 5 Minuten viel es mir wie Schuppen von den Augen. „Wie kann ich den so blöd sein und so einen blinden Fleck haben“, waren meine ersten Gedanken. Ich bin ganz normal, ich bin nur hochsensibel!
Bei meinen Klienten habe ich es sehr wohl gesehen, mit jenen kann ich auch sehr gut umgehen und sie unterstützen. Haha, und welch ein Wunder, sind auch sehr viele meiner KlientInnen hochsensibel!
Jetzt wird der Eeine oder Andere sagen, ja das war mir eh immer klar, dass Anita hochsensibel ist. Ich wollte es nicht sehen.
Auf das Thema kam ich schon vor einigen Jahren und ich wollte nicht hochsensibel sein, denn ich habe es immer mit den „esoterischen Geistwesen“ verbunden und mit den Menschen die kenne. Sie nehmen meist nur verstorbene Geistwesen und Energien wahr und kommen so recht und schlecht damit zurecht. Nicht nur einmal war eine Klientin kurz vorm „überschnappen“, weil sie nicht mehr damit zurecht kam. Und ich wollte nicht noch mehr wahrnehmen, unkontrollierbar und auslaugend. So habe ich mich gewehrt und verweigert.
Ja, dass ich eine sehr hohe Wahrnehmung habe und daher sehr gut in Einzelarbeit und beim Aufstellen bin, Ja, dem habe ich immer zugestimmt, aber mehr bitte nicht!
Jedoch mein Körper hat weiterhin somatisiert und die unerklärlichsten Signale und Symptome gegeben, sodass ich schon verzweifelt glaubte, bei mir hilft nichts. Stimmt ja auch irgendwie, ich habe ja meist auf der falschen Ebene behandelt. Nicht das ich echt krank wäre, nein es sind immer Befindlichkeitsstörungen. Manche Reaktionen konnte ich schon zuordnen, wenn mein Bauch rebellierte, aber viele waren mir unerklärlich. Bis zu diesem Beitrag und dem ersten Buch darüber, dass ich sofort verschlungen habe, im wahrsten Sinne des Wortes.
Heute weiß ich, dass Hochsensibilität mit Spiritualität gar nichts zu tun hat, außer dass viele Spirituelle hochsensibel sind. Mit meinem zweiten Beruf habe ich genau dieses Persönlichkeitsmerkmal ausgebaut und gefördert und damit bin ich genau richtig in der Beratung. Denn es gibt prädestinierte Berufe für Hochsensible. Da finden sich viele Künstler, Schauspieler, Berater, Heilpraktiker, Autoren, Pflegende, Sozialarbeiter und Kindergärtnerinnen.
Mich hat diese Erkenntnis, alleine dieser Begriff hochsensible Person (HSP), sehr erleichtert, weil ich jetzt weiß, ich bin ganz normal, vieles ist jetzt ganz klar. Ich kann jetzt anders damit umgehen bzw. reagieren. Ich weiß jetzt, dass ich noch mehr auf meinen Körper und mein Bauchgefühl achten kann, wie ich damit umgehe und vor allem wie ich es deuten kann. Meine Intuition hat mich noch selten getäuscht. Ich weiß vieles intuitiv, oft im voraus. Jetzt weiß ich, dass z.B. Hochsensitive viel mehr als Andere, bewusst und noch viel mehr unbewusst wahrnehmen, gründlich verarbeiten und daher intuitives Wissen haben. Sie ahnen oft etwas voraus und wissen nicht woher sie das dann einfach wissen, dafür ziehen sie sich oft zurück.
Aus heutiger Sicht, bin ich sehr froh mir endlich eine Auszeit erlaubt zu haben, und jetzt weiß ich auch, dass ich sie umso mehr gebraucht habe.
Häufige Themen von Hochsensitiven sind Abgrenzung und Selbstwert. Sie haben das Gefühl, sich nicht abgrenzen zu können, nichts auszuhalten, sehr leicht zu erschöpfen und viel weniger belastbar zu sein als alle Anderen. Denn sie vergleichen sich ja immer mit den Anderen und sehen, dass die Anderen die Belastungen des Alltags viel leichter wegstecken. Das wiederum geht auf Kosten des Selbstwerts. „Ich bin nicht gut genug“, „Ich schaffe das nicht“ sind tragende Glaubenssätze.
Viele Hochsensible sind Allergiker, weil sie auf Stoffe in der Nahrung, aus der Umwelt, in Kosmetika und Medikamente viel empfindlicher reagieren.
Es sind viel mehr Frauen betroffen als Männer und häufig ist es angeboren. Das sind dann die Kinder die ganz schlecht schlafen, auf Außenreize und Veränderungen mit Angst reagieren. Da sie es nicht äußern können schreien sie und sind kaum zu beruhigen. Diese Kinder, auch Erwachsene, reagieren auf Hunger und Durst sehr gereizt und können sich in lauter Umgebung kaum konzentrieren.
Zusammengefasst kann man sagen, dass das Nervensystem von hochsensitiven Personen stärker auf Reize reagiert egal ob sie von Außen kommen oder von Innen. Kein Hochsensibler gleicht dem Anderen und es gibt unterschiedliche hochsensitive Kanäle. Dazu mehr demnächst....
Die Pionierin für das Thema hochsensible Personen, ist die Psychotherapeutin und Universitätsprofessorin Elaine Aron. Sie hat den Begriff HSP 1991gegründet und durch viele hunderte Beratungsgespräche mit dem Thema auseinandergesetzt, geforscht und einige Bücher darüber geschrieben.
Natürlich gibt es auch eine Menge Vorteile, die nur dann zu Vorteilen werden, wenn du deine Sensibilität annimmst, schätzen und damit umgehen lernst. Denn die Welt braucht hochsensitive Personen wie dich! Denn oft sind sie die moralische, vernünftige Stimme in der Gesellschaft, mahnen zur Sanftheit, Bedächtigkeit, Langsamkeit und zur Vorsicht. Sie sind besonders gut bei Aufgaben, die Umsicht, Sorgfalt, Schnelligkeit und das aufspüren von feinen Unterschieden erfordern und das noch mit einer sehr großen Portion Geduld und Lösungsorientierung. Sie sind oft Pioniere!
Ich habe mich ja 15 Jahre lang geweigert auf ein Thema zu spezialisieren, was natürlich ein Merkmal ist von HSP. Aber es entspannt mich und macht mich ruhig und zufrieden, dass ich es jetzt auch so benennen, mich fokusieren und stärker vertreten darf, was ich ohnehin schon immer getan habe. Jetzt hat das Kind einen Namen! Du wirst zu dem Thema noch sehr viel hören und lesen, das verspreche ich dir!
Hier findest du einige Besonderheiten die eine hochsensible Person auszeichnet.
Fühlst du dich angesprochen? Dann freut es mich umso mehr, teile es mir mit und bleib am laufenden. Lade Freunde ein, bei denen du es siehst, dass sie hochsensitiv sind, sie können es vielleicht selbst nicht sehen, so wie ich und vielleicht auch du selbst.
Ich freu mich auf regen Austausch und deine Erlebniswelt!
Quelle:
Aron Elaine N. , Sind sie hochsenibel ?, 11. Auflage 2017, München: mvg verlag
Georg Parlow, Zart besaitet, 5. Auflage, 2017, Wien: Festland Verlag e.U.
Test zur Selbsteinschätzung von Hochsensibilität